Gespräch im Bus über Dinner Cancelling

Ich frage mich manchmal wie die Menschen sich das Abnehmen vorstellen. Vor ein paar Tagen hörte ich im Bus eine lautstark geführte Diskussion über das Dinner Cancelling mit.

Beide waren gut gekleidet, mit Aktenkoffern in der Hand,  beide wirkten selbstsicher und gut situiert. Ein Mann und eine Frau, ich schätze beide so um die 40 Jahre.

Beide waren  nicht gerade super schlank, aber absolut nicht dick zu nennen.

Beide beklagten sich über ihr Übergewicht und verbreiteten sich über die verschiedenen Diätmethoden.  Schließlich einigten sie sich darauf, dass das Diner Cancelling das Gelbe vom Ei wäre. Mir sträubten sich die Haare bei den Begründungen dafür. Ich zitiere mal aus dem Gedächtnis.

  • Tagsüber kann ich soviel essen wie ich will, das macht nicht dick
  • Abends sieht meine Frau immer was ich esse, tagsüber kann sie mich nicht kontrollieren.
  • Ich bin sowieso zu faul zum Kochen
  • Abends bin ich sowieso dauernd unterwegs
  • Ich brauche auf nichts als auf die Uhr zu achten
  • billig, weil man die Abendmahlzeit spart
  • Beim Firmenessen beneiden die Kollegen mich um meine Disziplin
  • Ich brauche mein Leben nicht auf den Kopf zu stellen
  • Tagsüber bekommen die Kollegen  nicht mit, dass ich mal wieder beim Abnehmen bin

Und in diesem Tenor ging es weiter. Es wurde so vorgetragen als gäbe es wirklich keine andere Möglichkeit abzunehmen, wenn man beruflich stark eingebunden ist, beide verbreiteten sich mit wichtiger Miene.

Dahinter steckt doch der alte Wunsch abzunehmen ohne etwas an sich und seinen Gewohnheiten zu ändern.

Es ist die alte Angst mal richtig bei sich hin zu gucken und zu erkennen dass man sehr ungesund gelebt hat. Es ist die Weigerung Energie dafür aufzubringen sich mit der Gesundheit auseinander zu setzen, die Weigerung zu erkennen das oft nicht nur die Ernährung im Argen ist, sondern dass dahinter auch psychische Probleme stecken die „weggegessen“ werden.

Sie verstecken sich hinter dem  Mäntelchen ach so wichtige Geschäfte zu machen, ach so erfolgreich zu sein und sind doch nur dabei ihre Trägheit zu loben. Das tun sie mit einem  Unterton, der allen anderen mitteilen soll, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und alle anderen, die es anders machen, eben nicht so gestresst und wichtig sind. Die anderen haben dann ja Zeit zum Kochen und leisten sich den Luxus der Nabelschau. Es kam fast Verachtung durch für die Leute, die es anders machen.

Diese Art Gespräch macht mich wütend. Dinner Cancelling hin und her, man kann sich darüber streiten oder man kann sich inhaltlich damit auseinander setzen, mich macht diese Arroganz sauer mit der sie ihre eigenen Schwächen vertuschen wollen indem sie sich über andere lustig machen und versuchen sie ins Unrecht zu setzen.

So etwas findet man oft bei Menschen, die es eigentlich besser wissen könnten, denen es durchaus möglich ist an die nötigen Informationen zu kommen, die aber zurückscheuen wenn sie merken dass es erstens nicht zu kaufen ist und zweitens echte Veränderung bedeutet.

3 thoughts on “Gespräch im Bus über Dinner Cancelling

  1. Bei solchen Gesprächen, die mensch im Übrigen überall aufschnappen kann, schlägt es mir jedesmal die Galle ans Zäpfchen. Muss mich immer sehr beherrschen die Empfehlung „Kopf schließen, Gehirn in Gang setzen“ zu unterdrücken. Aber wiederum, vor 5 Jahren, hätte ich es sicher auch versucht. Der Punkt ist wirklich die Veränderungen die nötig sind zu akzeptieren.
    LG Karin

  2. Stimmt Karin, das ist der Punkt. Vorher scheitern alle Versuche. Selbst wenn man weiß dass es nur mit Veränderung geht, ist man noch lange nicht bereit das auf sich zu beziehen.
    lg
    Requendel

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