Kartoffeln und andere seltsame Gelüste

Im Moment merke ich wieder wie wichtig es ist in sich hinein zu lauschen, worauf man wirklich Appetit hat. Dabei muß ich immer wieder an das Buch „Die Psycho Diät“ denken. Das war wirklich das einzige Diätbuch das mir was gebracht hat. Mal abgesehen von dem „Anti Diät Buch“ von Susi Orbach. Gerade das Anti Diät Buch hat mir eine ganz andere Sichtweise verschafft und mir dabei geholfen den Kern meines Essproblems zu erkennen, aber dazu mehr an anderer Stelle.

Im Psycho Diät Buch bekam ich eine Idee davon, wie man anders als durch Crash-Diäten oder 1000 Kalorien Diäten abnehmen kann. Die Idee sich intensiv mit dem Essen auseinander zu setzen war genau richtig für mich. Ich nehme mir gerne Zeit und Ruhe zum Essen und ich setzte Hoffnung in diese Diäte, nicht zuletzt sollte sie mein Essen befreien. Ich wollte endlich wieder Schokolade essen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Leider bekam ich das Buch zu meinem 16. Geburtstag von meiner Mutter geschenkt und leider ging es damals nach hinten los. In dem Alter fühlte ich mich zwar dick, aber das war nicht mein Hauptproblem und interessierte mich auch nicht so sehr. Es hatte sich noch nicht als Problem in den Vordergrund gedrängt. Für meine Mutter war es anscheinend ein Problem und durch solche sehr unpassenden Geburtstagsgeschenke (Intimspray zu meinem 14 Geburtstag gehörte auch in die Liste) manifestierte sich mein Speck zu einem riesigen Problem und so blieb es dann auch. Meine Mutter hatte wohl nur den schönen bunten Einband und den Titel gelesen, nicht den Inhalt. Ich las das Buch, fand es klasse und wollte es umsetzen. Dazu gehörte eben die Befreiung des Essens und der freie Zugang zur Schokolade. Dazu gehörte es sich mit Genuss mit dem Essen auseinander zu setzen. Das ging nun ganz und gar gegen das Weltbild meiner Mutter. Sie sah mein Heil in strenger Nahrungskontrolle und Mini-Portionen. Das wäre ihr entgegen gekommen. Sie selbst mochte nie essen und hat das Kochen gehasst. Fleisch wollte sie sowieso fast nie und überhaupt war ihr alles was mit dem Essen zusammen hing lästig.

Als ich dann von zuhause auszog versuchte ich dann endlich die Prinzipien umzusetzen, machte aber leider nur die halbe Sache. Ich stopfte „befreit“ Schokolade in mich hinein.

Inzwischen weiß ich dass diese Befreiung nur die eine Seite ist. Ohne ein fundiertes Wissen über richtige Ernährung und ohne die Auseinandersetzung mit seinem falschen Essverhalten geht es nicht. Zu Beginn dieser Phase, und der Beginn kann einige Jahre dauern, ist es auch noch wichtig die Energiebilanz zu kontrollieren. Wenn man so lange ungesund und selbstzerstörerisch gegessen hat, weiß man nicht mehr wie es geht normal zu essen.  Dieses Buch im Alleingang durch zu arbeiten und die Prinzipien erfolgreich einzuhalten, halte ich für einen essgestörten Menschen für unmöglich. Allerdings gibt das Buch wichtige Hinweise in die richtige Richtung.

Heute weiß ich mehr über gesunde Ernährung, bei Aiqum habe ich viel darüber gelernt. Und ich habe auch meine Essfehler kennen gelernt, ich kenne mich und mein Essverhalten besser und kann nun daran gehen die schlechten Gewohnheiten zu ändern. Mit diesem Wissen als Grundlage sind die Tipps, die ich damals zur falschen Zeit an falscher Stelle bekommen habe, genau richtig.

Ich setzte mich mit dem Essen auseinander und scheue mich nicht ungewöhnliche Mahlzeiten zu essen. Ich setze mich darüber hinweg was „man“ zum Frühstück isst, was ein angemessenes Mittagessen ist und so weiter. Ich versuche das heraus zu finden was ich wirklich essen will und was dazu gesund und ohne zu viel Aufwand und preiswert zu haben ist.

Ich habe praktisch noch einen Filter zwischen die Frage was ich essen will und was ich dann wirklich esse,  geschoben.

  • Zuerst frage ich mich worauf ich Lust habe, was ich essen möchte.
  • Danach überprüfe ich ob das gesund ist und ob es in meine Energiebilanz passt
  • Danach kommt die Preisfrage und dann die Frage ob ich das auch zubereiten möchte

Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach und schnell gemacht und heraus kommen immer Speisen auf die ich Lust habe und die meine verschiedenen Bedürfnisse befriedigen.

Und ich bekam die Idee darüber zu schreiben, weil ich im Moment ganz merkwürdige Gelüste habe. Ich liebe zur Zeit Pellkartoffeln, am besten natürlich von neuen Kartoffeln. Ich koche mir morgens eine Portion Kartoffeln und stelle sie mir für den Tag als Knabberzeug und Snack bereit. Manchmal dünste ich mir noch anderes Gemüse dazu, mit Begeisterung ist es zur Zeit Zucchinigemüse mit Zwiebeln. Heute war es extrem, ich habe mir meine Portion gekocht und schon zum Frühstück eine große Kartoffel mit Gemüse und Quark gegessen. Das hat auch nicht mehr Kalorien als mein übliches Frühstück und war genau das worauf ich Lust hatte. Natürlich zu meinem Becher Kaffee.

Gestern habe ich meinen Mann schockiert, in dem ich zum Nachmittagskaffee auf dem Balkon anstelle von Eis oder Schokolade eine gekochte Kartoffel gegessen habe. Aber er hat nur komisch geguckt weil er schon so einiges von mir gewöhnt ist.

Fest steht aber dass diese merkwürdige Ernährungsart unter dem Strich weniger Kalorien hat, als die übliche Art und ich fühle mich zufriedener damit. Was will ich mehr? Was spricht gegen Kartoffeln zum Frühstück und Zucchinigemüse mit Pilzen zum Kaffee? 

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